Franz Christian Lehár

Ferenc (Franz) Christian Lehár wird 1870 in Komorn, Ungarn geboren und spricht als Kind nur ungarisch. Sein Vater, ein Militärmusiker, schickt ihn zum Deutschlernen zu böhmischen Verwandten. Dort spielt er bereits mit 10 Jahren in den Ferien im Kurorchester Geige. Mit 12 erhält er einen Freiplatz am Prager Konservatorium. Antonín Dvorák rät ihm jedoch, die Geige an den Nagel zu hängen und Komponist zu werden. Nach dem Examen 1888 muss er sich trotzdem zunächst als Orchestergeiger durchschlagen. Im Theaterorchester in Elberfeld steigt er schnell zum Konzertmeister auf, flieht aber wegen schlechter Bezahlung und wenig Zeit zum Komponieren nach Hause und spielt im Orchester seines Vaters. 1890 wird er selbst Militär-Kapellmeister, seine Opern-Versuche bleiben aber erfolglos.

Mit der „Lustigen Witwe“, 1905 im Theater an der Wien uraufgeführt, ändert sich das. Er dirigiert sie in ganz Europa und macht Gastspielreisen mit dem Wiener Tonkünstler-Orchester. Da er ein geschickter Geschäftsmann ist und sich die Rechte an seinen Werken früh gesichert hat, wird er tatsächlich reich.

Als der Erfolg seiner Operetten später langsam nachlässt, beginnt für ihn durch die Freundschaft mit dem Sänger Richard Tauber eine neue Periode im Zeichen des populären Liedes.
1938 muss nach der Premiere vom „Land des Lächelns“ Richard Tauber als Jude emigrieren. Lehár, dessen Frau Jüdin ist, kann sich aber dazu nicht entschließen. Lehárs Librettisten Fritz Löhner und Fritz Grünbaum kommen im KZ um, ihre Texte verwendet man einfach weiter anonym. An den ungarischen Staatsbürger Lehár traut man sich wohl wegen seiner Popularität nicht heran. Die „Lustige Witwe“ ist Hitlers Lieblingsoperette. Man braucht Lehár, um die Leute bei Laune zu halten. Seine Frau wird 1938 zur „Ehrenarierin“ erklärt. Mehr Realsatire geht kaum! Immerhin überleben beide die Nazizeit. Lehár stirbt 1948.

„Die lustige Witwe“ nach Henri Meilhac spielt in Paris 1905 in der pontevedrinischen Botschaft. Vorbild ist der reale Prinz Danilo aus Montenegro. Österreicher durften die Hauptpersonen nicht sein, denn deren Uniformen wären verbotene „Verunglimpfungen des Militärs“ gewesen. Ein Schelm, wer bei dieser Formulierung an Düsseldorfer Karnevalswagen denkt! Lehár trifft mit glänzenden musikalischen Einfällen und moderner Orchesterbehandlung den pikanten Pariser Lebewelt-Ton.