Jacques Offenbach

Vom Himmel führt die Reise abrupt in eine Unterwelt der besonderen Art: Jacques Offenbach (Jakob Eberst), geb. 1819, ist der Sohn eines jüdischen Kantors. Der kommt als Buchdrucker 1802 aus Offenbach nach Deutz und zieht 1816 nach Köln, wo er 1826 Kantor der Synagoge wird. Die Franzosen hatten 1798 den Juden das Recht zur Niederlassung gegeben. Die Gemeinde ist aber noch klein. Leben kann man vom Kantorjob also nicht. Der Vater ist Musiklehrer und musiziert mit seinen Kindern in Weinstuben und Kaffeehäusern. Jakob lernt mit 6 Jahren Geige und mit 9 Cello spielen.

Mit 14 nimmt ihn der Direktor des Pariser Konservatoriums Cherubini ausnahmsweise auf, obwohl er Ausländer ist. Nach einem Jahr muss er allerdings sein Brot als Cellist im Orchester der Opéra Comique verdienen. Er spielt in Salons, tritt als Cellovirtuose auf und schreibt Musik, die allerdings noch nicht viel Erfolg hat. 1855 gründet er sein eigenes Theater „Bouffes Parisiens“ an den Champs Elysées, wo er kleine „musiquettes“ mit bis zu 3 Personen aufführen darf.

Nachdem die Beschränkungen gefallen sind, kann er 1858 mit „Orpheus in der Unterwelt“ sein erstes abendfüllendes Werk schreiben. Zuerst wenig erfolgreich, explodiert die Nachfrage nach einer Pressekampagne über das „unmoralische“ Stück. Zeitsatire durch Parodierung mythologischer Stoffe ist gerade „in“.

Orpheus, Direktor des Konservatoriums, wird von der Öffentlichen Meinung gezwungen, seine Frau aus der Unterwelt zurück zu holen, wo sie sich mit den griechischen Göttern vergnügt. Am Ende kehrt er glücklich allein auf die Erde zurück und Eurydike bleibt zufrieden in der spannenderen Unterwelt. Eine Götterdämmerung französischer Art. - Zurück bleibt die hereingelegte Öffentliche Meinung.

Die Ouvertüre ist eine gekonnte Zusammenstellung der spritzigsten Ohrwürmer vom Wiener Kapellmeister Karl Binder (1816-1860).